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Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Eine gesunde Ernährung kann einem Gestationsdiabetes vorbeugen

Mit einer ausgewogenen Ernährung können Schwangere den Blutzuckerspiegel senken

Schwangerschaftsdiabetes bezeichnet einen gestörten Zuckerstoffwechsel, der erstmalig in der Schwangerschaft festgestellt wird. Er zeichnet sich durch hohe Zuckerkonzentrationen im Blut aus. Meist entsteht er im Verlauf des zweiten Schwangerschaftsdrittels.

Schwangerschaftsdiabetes gehört zu einer der häufigsten Komplikationen während einer Schwangerschaft. Etwa drei bis fünf Prozent aller Schwangeren sind betroffen. Unbehandelt hat er in erster Linie Konsequenzen für das ungeborene Kind. Diese können schlimmstenfalls bis zu einer Totgeburt reichen.

 

 

 

 

Ursachen eines Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes ist auf einen gestörten Zuckerstoffwechsel zurückzuführen. Es ist normal, dass bestimmte Schwangerschaftshormone wie humanes Plazentalaktogen (hPL) und Progesteron für einen erhöhten Blutzuckerspiegel der Mutter sorgen. So stellt der Körper sicher, dass auch das Baby mit genügend Nährstoffen versorgt wird. Der erhöhte Blutzucker wiederum regt die Bauchspeicheldrüse der Mutter an, das Hormon Insulin vermehrt zu bilden. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel wieder. Im Falle des Schwangerschaftsdiabetes schafft es die Bauchspeicheldrüse der Mutter nicht mehr, genügend Insulin zu bilden, um den Blutzuckerspiegel senken zu können. Er bleibt erhöht.

Häufig spielt auch falsche Ernährung in der Schwangerschaft eine Rolle. Nimmt die schwangere Frau zu viele Kohlenhydrate zu sich, wird die Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes gefördert. Insbesondere so genannte schnell verfügbare Zucker, wie sie in Pommes frites oder Süßigkeiten stecken, führen zu steilen Blutzuckeranstiegen.

Schwangerschaftsdiabetes tritt häufiger bei Frauen auf, die folgende Risikofaktoren aufweisen:

  • Übergewicht mit einem BMI (Body-Mass-Index) über 27
  • Diabetes mellitus in der Familie
  • Schwangerschaftsdiabetes in der Vorgeschichte
  • Kind mit einem Geburtsgewicht über 4.500 Gramm in einer vorhergehenden Schwangerschaft
  • Vorausgegangene Totgeburt
  • Schwere Fehlbildungen des Kindes in einer vorhergehenden Schwangerschaft
  • Neigung zu Fehlgeburten

Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes kann leicht unerkannt bleiben, da die meisten betroffenen Frauen keine Beschwerden haben. Allerdings kann er sich beispielsweise hinter häufigen Harnwegs- und Scheidenpilzinfektionen oder Bluthochdruck verbergen.

Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes

Erste Hinweise auf einen Schwangerschaftsdiabetes erhält der Arzt unter Umständen aus der ausführlichen Befragung der Frau zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Da Beschwerden aber häufig fehlen, wird allen Frauen, auch solchen mit bisher unauffälliger Schwangerschaft, zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein so genannter Zuckerbelastungstest angeboten. Unabhängig von der Schwangerschaftswoche sollte ein Zuckerbelastungstest möglichst rasch erfolgen, wenn Auffälligkeiten bestehen wie:

  • Risikofaktoren
  • Zuckernachweis im Urin
  • einem auffällig großen Kind in den Ultraschall-Untersuchungen
  • typische Beschwerden eines klassischen Diabetes mellitus, wie beispielsweise starkem Durstgefühl, großen Harnmengen oder eine Neigung zu Infekten

Der genaueste Zuckerbelastungstest (oraler Glukose-Toleranz-Test) wird morgens auf nüchternem Magen durchgeführt und umfasst drei Blutzuckermessungen. Zunächst wird die Blutzuckerkonzentration im nüchternen Zustand bestimmt. Anschließend trinkt die Schwangere 300 ml einer Zuckerlösung. Jeweils eine und zwei Stunden später wird erneut die Zuckerkonzentration im Blut gemessen. Während der Zeit sollte die Frau sitzen und nicht rauchen. Aus den Ergebnissen der Messungen kann der Arzt ableiten, ob ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt.

Die während der Schwangerschaftsvorsorge regelmäßig durchgeführte Urinuntersuchung auf Zucker kann einen Schwangerschaftsdiabetes weder beweisen noch ausschließen.

Therapie eines Schwangerschaftsdiabetes: Blutzucker senken

Ziel der Therapie eines Schwangerschaftsdiabetes ist es, die überhöhten Blutzuckerspiegel in den normalen Bereich zu senken. In den meisten Fällen genügt es, die Ernährung auf eine kohlenhydratärmere Kost umzustellen. Im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel liegt der tägliche Kalorienbedarf einer Schwangeren bei etwa 30 kcal pro Kilogramm Körpergewicht (25 kcal pro Kilogramm Körpergewicht bei einem BMI über 27 empfohlen). 40 bis 50 Prozent der benötigten Kalorien sollten Schwangere über Kohlenhydrate decken. Schnell verfügbare Zucker, wie sie beispielsweise in Schokolade oder Cola stecken, sollten sie dabei möglichst meiden, da sie zu einem schnellen Blutzuckeranstieg führen. Stattdessen sollten Produkte wie Vollkornbrot, Vollkornnudeln oder Naturreis als Kohlenhydratquelle bevorzugt werden. Den detaillierten Diätplan arbeitet die betroffene Frau individuell mit einem Diabetologen oder einer ähnlich fachkundigen Person aus. Ausdauersport kann die Therapie sinnvoll ergänzen, da auch Sport den Blutzuckerspiegel senkt.

Um den Erfolg der Ernährungsumstellung kontrollieren zu können, lernt die Schwangere, den Blutzucker mit einem Handmessgerät zu ermitteln. Erreicht sie durch Ernährungsumstellung und Sport keine ausreichende Blutzuckersenkung, ist es empfehlenswert, zusätzlich eine Therapie mit Insulin zu beginnen.

Verlauf eines Schwangerschaftsdiabetes

Ist der Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig erkannt, lässt er sich in der Regel gut kontrollieren. Nach der Schwangerschaft bildet er sich in den meisten Fällen zurück. In 50 Prozent der folgenden Schwangerschaften kommt es jedoch erneut zu einem Schwangerschaftsdiabetes. Darüber hinaus entwickeln bis zu 50 Prozent der Frauen mit einem durchgemachten Schwangerschaftsdiabetes innerhalb von etwa zehn Jahren einen Diabetes mellitus Typ 2.

Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes neigen zu Harnwegs- und Scheidenpilzinfektionen, außerdem zu Bluthochdruck und so genannter Präeklampsie. Präeklampsie macht sich durch Bluthochdruck, erhöhte Eiweißausscheidung im Urin und rasch auftretende Wassereinlagerungen in Gesicht oder Händen bemerkbar.

Besonders große Bedeutung hat der Schwangerschaftsdiabetes für das Kind. Unbehandelt kommt es unter anderem gehäuft zu:

  • Frühgeburten
  • Totgeburten
  • Fehlbildungen insbesondere der Wirbelsäule, Nieren und des Herzens
  • Makrosomie:
    Die Kinder kommen besonders groß und schwer zur Welt (Geburtsgewicht über 4.000 Gramm). Die Größe des Kindes wiederum kann vorzeitige Wehen oder mechanische Behinderungen bei der Geburt zur Folge haben. Letzteres führt dazu, dass relativ häufig Kaiserschnitte oder Zangengeburten durchgeführt werden.
  • Entwicklungsstörungen:
    Die Organe, insbesondere Lunge und Leber, sind bei der Geburt noch unreif. Die Neugeborenen leiden häufiger an Atemnot und schwerer Gelbsucht (Ikterus). Organe wie das Herz lagern zudem Zucker in seiner Speicherform ein. Das Herz kann in der Folge groß und weniger leistungsfähig sein.
  • Unterzuckerung (Hypoglykämie) des Neugeborenen:
    Das Neugeborene ist beispielsweise schwach, zittert und trinkt schlecht. Weitere mögliche Folgen können ein niedriger Blutdruck oder Krampfanfälle sein.
  • Erhöhte Fruchtwassermenge

Wegen der möglichen Komplikationen ist es empfehlenswert, in einer Klinik mit Neonatologie zu entbinden. In der Neonatologie werden speziell Frühgeborene und kranke Neugeborene behandelt.

Kinder von Müttern mit schlecht behandeltem Schwangerschaftsdiabetes neigen später häufig zu Übergewicht und Diabetes.

Wie kann einem Schwangerschaftsdiabetes vorgebeugt werden?

Schwangerschaftsdiabetes lässt sich in einigen Fällen vermeiden, wenn Risikofaktoren wie Übergewicht bekämpft werden. Regelmäßiger Sport wirkt ebenfalls vorbeugend. Zusätzlich kann die Frau das Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes mit einer ausgewogenen Ernährung während der Schwangerschaft senken.

Ansonsten gilt es, den Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, um Komplikationen möglichst zu vermeiden. Ein Zuckerbelastungstest kann den Schwangerschaftsdiabetes aufdecken. Bisher wird dieser Test trotz der Häufigkeit des Schwangerschaftsdiabetes und der möglichen Auswirkungen auf das Kind in der Schwangerschaftsvorsorge jedoch nicht berücksichtigt. Frauenärzte empfehlen aber, ihn im Verlauf der Schwangerschaft durchführen zu lassen. Die Kosten muss die Schwangere selbst tragen.

Vorzeitiger Blasensprung

Vorzeitiger Blasensprung

Fruchtblase

Bei einem vorzeitigen Blasensprung reisst die Fruchtblase frühzeitig

Bei einem vorzeitigen Blasensprung reißt die Fruchtblase, die das ungeborene Kind im Mutterleib umgibt, einige Zeit vor dem errechneten Geburtstermin statt kurz vor oder während der Geburt. Dabei geht tröpfchenweise oder schwallartig Fruchtwasser ab. Ein vorzeitiger Blasensprung kann die Schwangere und das Ungeborene gefährden. Daher ist es ratsam, möglichst rasch einen Arzt aufzusuchen.

Die Angaben zur Häufigkeit eines vorzeitigen Blasensprungs schwanken zwischen drei und 20 Prozent. 30 bis 40 Prozent aller Frühgeburten ereignen sich in Folge eines vorzeitigen Blasensprungs.

Ursachen eines vorzeitigen Blasensprungs

Ein vorzeitiger Blasensprung wird in der Regel durch eine verminderte Stabilität der Eihaut (die Wand der Fruchtblase) oder einen stark erhöhten Innendruck der Fruchtblase verursacht. Beides kann durch eine vaginale Infektion ausgelöst werden.

Zudem gibt es verschiedene Risikofaktoren für einen vorzeitigen Blasensprung:

  • vermehrte Bildung von Fruchtwasser
  • vorausgegangene Fruchtwasseruntersuchung
  • vorausgegangene Blutungen während der Schwangerschaft
  • vorausgegangene Ausschabung der Gebärmutter
  • vorausgegangene Fehlgeburt
  • wiederholte Abtreibungen

Symptome eines vorzeitigen Blasensprungs

Bei einem vorzeitigen Blasensprung geht tröpfchenweise oder schwallartig Fruchtwasser aus der Scheide ab. Dieses ist wasserhell bis milchig-trüb und kann süßlich riechen. Häufig ist es ohne ärztliche Untersuchung nicht von unwillkürlichem Harnabgang – welcher vor allem bei weit fortgeschrittener Schwangerschaft ebenfalls auftreten kann – zu unterscheiden. Vor dem Fruchtwasserabgang weisen nur selten Symptome, wie vermehrter Ausfluss oder Fieber, auf den bevorstehenden vorzeitigen Blasensprung hin.

Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs

Zur Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs führt der Arzt eine vaginale Untersuchung mit dem Spekulum – ein Untersuchungsgerät, dass zur Spreizung der Scheide eingesetzt wird – durch. Dadurch kann er den Fruchtwasserabgang im Gebärmutterkanal sehen. Zudem bestimmt er den pH-Wert der abgehenden Flüssigkeit mittels eines so genannten pH-Indikatorpapiers. Dadurch lässt sich das Fruchtwasser von Urin unterscheiden. Die Untersuchung ist schmerzfrei und einfach. Nur in seltenen Fällen setzt der Arzt zusätzlich einen Ultraschall zur Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs ein.

Nach der Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs untersucht der Arzt die Frau auf ein Amnioninfektionssyndrom (AIS). AIS ist eine Infektion der Eihaut, der Planzenta, der Fruchtblase oder des Fötus und kann durch verschiedene Erreger wie Streptokokken oder Chlamydien hervorgerufen werden. AIS kann zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Die Untersuchung auf AIS erfolgt mittels eines Blutbilds. Eine fortgeschrittene Infektion äußert sich zudem durch Fieber, erhöhte Herzfrequenz, übel riechendes Fruchtwasser sowie Unterleibsschmerzen.

Therapie eines vorzeitigen Blasensprungs

Die Therapie eines vorzeitigen Blasensprungs richtet sich nach dem Schwangerschafts-Zeitpunkt und erfolgt – besonders in sehr frühen Stadien – in enger Abstimmung mit den betroffenen Eltern. Ziel der Therapie ist es, die Geburt möglichst hinauszuzögern, damit das Ungeborene sich im Mutterleib schonend entwickeln kann.

Vor der 24. Schwangerschaftswoche

Ereignet sich ein vorzeitiger Blasensprung vor der 24. Schwangerschaftswoche und besteht kein AIS-Verdacht, wird zunächst abgewartet. Die Betroffene muss Bettruhe einhalten. Alle sechs bis 24 Stunden erfolgt eine Blutkontrolle, um sicherzustellen, dass kein AIS auftritt. Zudem kontrolliert der Arzt regelmäßig die Fruchtwassermenge und die Vitalität des Kindes. Ab der 20. Schwangerschaftswoche kann eventuell eine AIS-vorbeugende Antibiotika-Therapie sinnvoll sein. Kommt es zu Komplikationen in der Kindesentwicklung oder tritt ein deutliches AIS auf, muss die Schwangerschaft unter Umständen abgebrochen werden. Erst ab der 23. Schwangerschaftswoche wird bei einer AIS-Diagnose eine Geburt eingeleitet.

24. bis 34. Schwangerschaftswoche

Tritt ein vorzeitiger Blasensprung zwischen der 24. und 34. Schwangerschaftswoche auf und besteht kein AIS-Verdacht, wird ebenfalls zunächst unter Bettruhe abgewartet. Alle sechs bis 24 Stunden erfolgen Blutkontrollen und die Herzfrequenz des Ungeborenen wird überwacht (Kardiotokografie, kurz CTG). Die Schwangere erhält Antibiotika, wehenhemmende Medikamente sowie Medikamente, welche die Lungenförderung des Ungeborenen fördern.

Ist die Schwangere von AIS betroffen, leitet der Arzt zügig unter einer Antibiotika-Therapie die Geburt ein.

Nach der 34. Schwangerschaftswoche

Ereignet sich ein vorzeitiger Blasensprung nach der 34. Schwangerschaftswoche und besteht kein AIS-Verdacht, leitet der Arzt die Geburt nach zwölf bis 24 Stunden ein. Bis zur 37. Schwangerschaftswoche erfolgt zudem eine Antibiotika-Therapie. Bei deutlichem AIS entbindet der Arzt das Ungeborene unter antibiotischer Therapie möglichst rasch durch einen Kaiserschnitt, falls keine schnelle natürliche Geburt zu erwarten ist.

Verlauf eines vorzeitigen Blasensprungs

Der Verlauf eines vorzeitigen Blasensprungs ist stark vom Schwangerschafts-Zeitpunkt abhängig und eine starke psychische Belastung für die werdenden Eltern. Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto besser sind die Überlebenschancen für das Ungeborene. Bei 65 Prozent der Betroffenen muss eine Frühgeburt eingeleitet werden. Bei einem vorzeitigen Blasensprung besteht ein erhöhtes Risiko für eine Lageanomalie, das heißt das Kind liegt nicht in der optimalen Geburtslage.

Weitere Komplikationen, die für das Ungeborene auftreten können, sind Fehl- oder Unterentwicklungen der Lunge, eine ungenügende Sauerstoffzufuhr durch die Nabelvene sowie ein Nabelschnurvorfall.

Bei der Mutter können in Folge des vorzeitigen Blasensprungs AIS, eine Gebärmutter-Entzündung (Endometritis) sowie Harnwegsinfekte auftreten.

Kann man einem vorzeitigen Blasensprung vorbeugen?

Einem vorzeitigen Blasensprung kann man vorbeugen, indem man in der Schwangerschaft bekannte schädliche Faktoren wie Rauchen und Alkohol vermeidet.

Über- oder Untergewicht

Über- oder Untergewicht in der Schwangerschaft

Wenn eine Schwangere über- oder untergewichtig ist, ergeben sich verschiedene Probleme in der Schwangerschaft. Eine Diät ist in der Schwangerschaft nicht zu empfehlen. Falls Sie sich nicht rechtzeitig vor der Schwangerschaft Ihrem Idealgewicht genähert haben, ist jetzt auf jeden Fall eine ausgewogene und gesunde Kost angeraten.

Die Schwangerschaft ist bei starkem Über- oder Untergewicht in jedem Fall vom Facharzt regelmäßig zu überprüfen.

Gewichtskontrolle in der Schwangerschaft

Übergewicht in der Schwangerschaft

Bei Frauen mit starkem Übergewicht verläuft die Schwangerschaft häufiger problematisch als bei normalgewichtigen.

Wann sind Sie übergewichtig?
Starkes Übergewicht liegt vor, wenn die werdende Mutter zu Beginn der Schwangerschaft einen Körper-Massen-Index (Body-Mass-Index, BMI) von deutlich mehr als 30 kg/m² hat. Der Body-Mass-Index errechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Größe. Stark übergewichtig wäre z.B. eine Frau mit mehr als 90 Kilogramm bei 1,65 Metern Größe.

Welche Risiken bestehen für Mutter und Kind?
Man beobachtet eine erhöhte Rate von Fehlbildungen, etwa Neuralrohrdefekte, also offene Rücken, aber auch Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Fehlbildungen des Herzens, der Bauchwand und des Gehirns. Auch die Rate der Frühgeburten und der vorgeburtlichen Infektionen ist erhöht. Da die Kinder oft sehr groß sind, ist ihr Verletzungsrisiko bei der Geburt größer, auch ein Kaiserschnitt ist wahrscheinlicher. Darüber hinaus bekommen stark übergewichtige Frauen in der Schwangerschaft öfter Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und starken Bluthochdruck.

Ursachen unbekannt
Genau kennt man die Ursachen der Probleme nicht. Aber deutlich erhöhtes Übergewicht ist gleichbedeutend mit schweren Ernährungsfehlern. Deshalb vermutet man Vitaminmangel und Stoffwechselprobleme, die sich auf das Kind und die Mutter auswirken.

Empfehlung
Keinesfalls dürfen Sie während der Schwangerschaft radikal abnehmen – das wäre gefährlich. Wichtig sind wirklich regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen, Tests auf Schwangerschafts-Diabetes und Neuralrohr-Defekte. Außerdem sollte man das werdende Kind von einem Ultraschall-Spezialisten auf Fehlbildungen untersuchen lassen. Wenn eine Geburtskomplikation vorauszusehen ist, sollte die Frau in einem spezialisierten Perinatalzentrum entbinden. Dort kann man das Neugeborene notfalls sofort intensivmedizinisch betreuen.

Thrombophilie

Thrombophilie und Schwangerschaft

Thrombophilie in der Schwangerschaft
Trotz erblicher oder erworbener Thromboseneigung kann eine Frau eine Schwangerschaft gesund austragen.

Gefahren bei Thromboseneigung
Bekannt ist bei einer Thromboseneigung ein erhöhtes Risiko für Spontanaborte.

Häufigkeit von Thrombophilie
Bei etwa 25% der Patientinnen mit spontanen Aborten oder anderen Fertilitätsproblemen werden Blutgerinnungsstörungen gefunden. Schwangerschafts-Komplikationen unklarer Ursache sollten deshalb ein Anlass sein, nach einer Thrombophilie zu suchen. Häufigste Gerinnungsstörung ist eine Resistenz gegen aktiviertes Protein C (APC-Resistenz). Ursache ist ein genetischer Defekt, die Fakror-V-Leiden-Mutation.

Therapie
Mit einem niedermolekularen Heparin wie Enoxaparin können während der Schwangerschaft bei Thrombophilien Komplikationen verhindert werden.
Patientinnen mit Gerinnungsstörungen können, sobald die Schwangerschaft festgestellt wird, adäquat mit einem niedermolekularen Heparin behandelt werden. Dabei hängt die Dosierung vom Körpergewicht ab oder auch davon, ob etwa Gerinnungsstörungen kombiniert vorliegen, also etwa die Kombination einer APC-Resistenz mit einem Antiphospholipid-Syndrom (APS). Kontrollen des Blutbildes und der Aktivitätsparameter der Gerinnung sind alle sechs Wochen nötig.

Die Therapie wird bis sechs Wochen nach der Entbindung fortgeführt, da das Thromboserisiko im Wochenbett hoch ist. Bei den meisten Schwangeren bleiben dann die Komplikationen aus. Auch das Stillen ist unter niedermolekularen Heparinen möglich.

Schilddrüsen-Unterfunktion

Schilddrüsen- Unterfunktion in der Schwangerschaft

Schilddrüsenunterfunktion beeinflusst die Intelligenz des Kindes.
Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft eine jodmangelbedingte Unterfunktion der Schilddrüse hatten, schneiden bei Intelligenztests im Durchschnitt schlechter ab als ihre Altersgefährten.

Jodunterversorgte Kinder zeigen häufiger Lernschwierigkeiten in der Schule und müssen öfter eine Klasse wiederholen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie an amerikanischen Schulkindern im Alter von sieben bis neun Jahren, berichtet der Schilddrüsen-Informationsdienst (SDID).

Unser Beitrag auf GlobalNetzwerk.com

Jodmangel und Entwicklungsstörungen
Die wenigsten Frauen wissen, dass Jodmangel in der Schwangerschaft Schuld an der verzögerten Entwicklung des Kindes sein kann. Doch gerade in diesen Monaten benötigt die Schilddrüse besonders viel Jod. Ein Mangel bedeutet nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit der werdenden Mutter, sondern auch ein Risiko für die körperliche und geistige Reifung des Kindes. Nach Angaben von Experten kommt jedes zehnte Neugeborene mit einem Kropf zur Welt. Wird es von seiner jodunterversorgten Mutter ausschließlich gestillt, kann sich bereits beim Säugling eine Unterfunktion der Schilddrüse ausbilden.

Jede dritte Frau weist in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft einen Jodmangelkropf auf“, betont Frauenarzt und Schilddrüsenexperte Professor Heinz G. Bohnert aus Hamburg. Da eine ausreichende Jodzufuhr in der Schwangerschaft und Stillzeit durch die Ernährung oftmals nicht möglich ist, sollten Frauen, die in einem Jodmangelgebiet leben, nach Absprache mit ihrem Arzt täglich Jodid-Tabletten einnehmen. Das Kind wird durch diese zusätzliche Jodzufuhr nicht gefährdet, da nicht benötigtes Jod über die Niere der Mutter wieder ausgeschieden wird.

Röteln

Röteln in der Schwangerschaft

über die Plazenta können Krankheiten übertragen werden

Röteln werden über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen

Röteln sind eine hoch ansteckende Viruserkrankung und gehören zu den klassischen Kinderkrankheiten. Aber auch Erwachsene können sich mit dem Virus, das über eine Tröpfcheninfektion (Niesen, Husten) übertragen wird, infizieren. In der Regel kommt es bei Röteln nicht zu Komplikationen. Während einer Schwangerschaft sind Röteln jedoch sehr gefährlich. Die Infektion kann über die Plazenta auf das Ungeborene übertragen werden. Je nach Zeitpunkt der Schwangerschaft kann dies zu einer Fehlgeburt oder schweren körperlichen Missbildungen des Ungeborenen führen.

 

 

Wie werden Röteln in der Schwangerschaft verursacht?

Verursacht werden Röteln durch das Röteln-Virus aus der Familie der Togaviren, welches von Mensch zu Mensch über eine Tröpfcheninfektion (Niesen, Husten) übertragen wird. Das Virus dringt in die Schleimhaut der oberen Atemwege ein und vermehrt sich im Lymphsystem. Vom Zeitpunkt der Infektion bis zu den ersten Krankheitszeichen vergehen zwei bis drei Wochen.

Erkrankt eine Schwangere an Röteln, kann sie das Virus über die Plazenta auf das Ungeborene übertragen (Rötelnembryopathie). Die Rötelnembryopathie ist eine meldepflichtige Erkrankung.

Welche Symptome treten bei Röteln in der Schwangerschaft auf?

Bei einer Röteln-Erkrankungen in der Schwangerschaft treten unspezifische, grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen und Lymphknotenschwellungen auf. Eine Röteln-Infektion kann bei Erwachsenen, besonders bei jungen Frauen, Gelenkschmerzen und leichte Gelenkschwellungen verursachen. Zudem kann ein charakteristischer Röteln-Ausschlag, der im Gesicht beginnt und sich über den Körper ausbreitet, auftreten. Nach ein bis drei Tagen verschwindet der Ausschlag in der Regel wieder.

Wie werden Röteln in der Schwangerschaft diagnostiziert?

Zu Beginn einer Röteln-Diagnose führt der Arzt mit der Schwangeren ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden und ihre Krankheitsgeschichte (Anamnese). Der Arzt kann eine Röteln-Infektion häufig aufgrund der Symptome schon vermuten, eine alleinige Diagnose dadurch ist jedoch besonders in der Schwangerschaft nicht ausreichend. Daher untersucht der Arzt das Blut der Schwangeren zusätzlich auf virusspezifische Antikörper.

Um festzustellen, ob die Rötelninfektion der Schwangeren auf das Ungeborene übertragen wurde, wird zudem eine pränatale Diagnostik – das heißt eine vorgeburtliche Untersuchung – durchgeführt. Der Nachweis des Röteln-Virus erfolgt über eine Gewebeprobe (Biopsie) der Fruchthülle oder über eine Fruchtwasser-Untersuchung mittels Amniozentese. Ab der 22. Schwangerschaftswoche wird zusätzlich das Blut des Ungeborenen untersucht. Es ist wichtig, dass die pränatale Diagnostik von einem auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt durchgeführt wird.

Wie lassen sich Röteln in der Schwangerschaft behandeln?

Röteln in der Schwangerschaft lassen sich nur symptomatisch behandeln. Das heißt, es steht keine spezifische Therapie gegen das Virus zur Verfügung. So kann auch eine Röteln-Infektion des Ungeborenen (Rötelnembryopathie) nicht therapiert werden.

Hatte eine Schwangere ohne oder mit unklarem Immunschutz Kontakt zu einer mit Röteln infizierten Person oder vermutet dies, spritzt der Arzt Röteln-Immunglobulin (Röteln-Antikörper). Diese Behandlung kann eine Rötelnembryopathie vermeiden. Sie ist jedoch nur bis zu sieben Tagen nach dem Röteln-Kontakt sinnvoll und bietet keinen absoluten Schutz vor einer Röteln-Infektion des Ungeborenen.

Stellt der Arzt während der ersten 17 Schwangerschaftswochen eine Röteln-Infektion der Frau fest, kann ein Schwangerschaftsabbruch sinnvoll sein, da mit einer starken Schädigung des Ungeborenen zu rechnen ist.

Wie verlaufen Röteln in der Schwangerschaft?

Röteln in der Schwangerschaft verlaufen für die Schwangere in der Regel komplikationslos. Nur selten treten Komplikationen bei der Frau auf.

Folgen für das Ungeborene

Infiziert sich das Ungeborene über die Plazenta mit dem Röteln-Virus, kann dies zu einer Fehlgeburt oder schweren körperlichen Missbildungen des Ungeborenen führen.

Die Häufigkeit und Schwere der Schäden ist abhängig vom Stadium der Schwangerschaft. Je früher eine Röteln-Infektion in der Schwangerschaft auftritt, desto schwerwiegendere Schäden können auftreten. Bei Infektionen in den ersten acht Wochen der Schwangerschaft treten in 90 Prozent Schäden auf, während der 13. bis 28. Schwangerschaftswoche in 25 bis 30 Prozent.

Die schwerwiegendsten Schäden ruft eine Röteln-Infektion in den ersten vier Monaten einer Schwangerschaft hervor. Eine Fehl- oder Frühgeburt kann die Folge sein.

Defekte, die bei dem ungeborenen Kind durch die Röteln-Infektion hervorgerufen werden, werden unter dem Begriff Kongenitales Rötelnsyndrom (CRS) zusammengefasst. Besonders während der Entwicklung der Organe in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft entstehen häufig Defekte an Herz (offener Ductus arteriosus), Augen (Katarakt) und Ohr (Innenohrtaubheit). Diese drei Defekte werden als Gregg-Syndrom bezeichnet. Weitere Folgen, die auftreten können, sind:

  • Geringes Geburtsgewicht
  • Eine Autoimmunerkrankung, die die Lebensdauer der Bluttplättchen (Thrombozyten) verkürzt (thrombozytopenische Purpura)
  • Vergrößerung der Leber und Milz
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Hepatitis
  • Herzmuskelerkrankung (Myokarditis)
  • Geringe Kopfgröße (Mikrozephalie)

Während eine Infektion in der vierten Schwangerschaftswoche in der Regel alle hier aufgeführten Erkrankungen des CRS hervorruft, entsteht bei einer Infektion in der 20. Woche beispielsweise „nur “ eine Taubheit.

Wie kann man Röteln in der Schwangerschaft vorbeugen?

Röteln kann mit einer Schutzimpfung, die laut Empfehlungen im Kindesalter erfolgt, vorgebeugt werden. Vor Beginn einer Schwangerschaft ist es ratsam, durch eine Blutuntersuchung den Immunstatus prüfen zu lassen und gegebenenfalls die Röteln-Impfung nachholen zu lassen.

Bei einer künstlichen Befruchtung können grundsätzlich Krankheitserreger übertragen werden. Da eine Röteln-Infektion während einer Schwangerschaft eine große Gefahr für das Ungeborene darstellt, ist ein Test auf Röteln-Antikörper vor einer künstlichen Befruchtung Pflicht.

Wird während einer Schwangerschaft festgestellt, dass kein ausreichender Schutz gegen Röteln besteht, empfiehlt es sich, den Kontakt zu Röteln-Erkrankten zu vermeiden. Diese Vorsichtsmaßnahme garantiert jedoch keinen sicheren Schutz vor Röteln. Denn auch Menschen, die keine oder sehr schwache Symptome einer Röteln-Erkrankung aufweisen, können infiziert sein und das Virus übertragen. Eine Röteln-Impfung während einer Schwangerschaft ist nicht zu empfehlen.

Plazentainsuffizienz

Plazentainsuffizienz

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können zur frühen Erkennung einer Plazentainsuffizienz beitragen Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können zur frühen Erkennung einer Plazentainsuffizienz beitragen

Plazentainsuffizienz bezeichnet eine Leistungsschwäche der Plazenta, die den Stoffaustausch zwischen Mutter und Kind beeinträchtigt und so zu einer Mangelversorgung des ungeborenen Babys führt. Sie kommt in zwei bis fünf Prozent aller Schwangerschaften vor und betrifft verstärkt Frauen, die während der Schwangerschaft unter Bluthochdruck oder Diabetes mellitus leiden. Man unterscheidet zwischen akuter und chronischer Plazentainsuffizienz.

Mögliche Ursachen einer Plazentainsuffizienz

Die akute Plazentainsuffizienz kann folgende Ursachen haben:

  • Vorzeitige Plazentalösung
  • Plazentablutungen
  • Nabelschnurkomplikationen während der Geburt

Gründe für die chronische Plazentainsuffizienz können sein:

  • Diabetes mellitus
  • Präeklampsie (Gestose)
  • Rauchen während der Schwangerschaft
  • Überschreitung des Geburtstermins

Was sind die Symptome einer eingeschränkten Plazentafunktion?

Die akute Form tritt unvermittelt vor oder während der Geburt auf. Sie äußert sich durch eine schwere Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff und verlangsamt den Herzschlag des Ungeborenen. Je nach Ursache können bei der Mutter Blutungen und Krämpfe auftreten.

Eine chronische Plazentainsuffizienz verlangsamt aufgrund des Nährstoffmangels das Wachstum des Kindes und verringert die Menge des Fruchtwassers.

Wie wird eine Plazentainsuffizienz diagnostiziert?

Je nach Ursache können Blutungen und Krämpfe Hinweise auf ein mögliches Versagen der Plazentafunktion hinweisen. Treten während der Geburt Komplikationen wie eine Einschnürung der Nabelschnur auf, ist eine akute Leistungsschwäche der Plazenta sehr wahrscheinlich.

Wenn erhöhte Risiken wie Diabetes mellitus oder Präeklampsie bei der Mutter vorliegen oder in Ultraschall-Untersuchungen ein vermindertes Größenwachstum des ungeborenen Kindes festgestellt wird, sorgt die Dopplersonographie für Aufklärung. Sie ermöglicht die Messung der Blutströmungsgeschwindigkeit und kann dadurch Hinweise auf eine chronische Plazentainsuffizienz geben.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Plazentainsuffizienz?

Bei einer akuten Plazentainsuffizienz muss je nach Ursache die entsprechende Notfallmaßnahme eingeleitet werden. Das kann zum Beispiel eine Schnittentbindung, eine Saugglocken- oder eine Zangengeburt sein.

Im Falle einer chronischen Plazentainsuffizienz wird in der Regel strenge Bettruhe verordnet und das Befinden des Kindes in regelmäßigen Abständen durch Ultraschall-Untersuchungen und CTG (Kardiotokographie) überprüft. Die eingeschränkte Funktionsfähigkeit der Plazenta kann jedoch nicht direkt behandelt werden. Vielmehr behandelt man die Ursachen, wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus, medikamentös.

Verlauf und Komplikationen der Plazentainsuffizienz

Bei akutem Plazentaversagen kann die Sauerstoff-Unterversorgung zu einer bleibenden Schädigung bis hin zum Tod des Kindes führen. Treten bei der Geburt Komplikationen auf, die eine akute Plazentainsuffizienz verursachen könnten, wird das Kind so schnell wie möglich entbunden. Wenn die Gründe für die akute Plazentainsuffizienz eine vorzeitige Plazentalösung oder Plazentablutungen sind, wird ebenfalls die verfrühte Geburt eingeleitet.

Die chronische Leistungsschwäche der Plazenta führt zu einem verlangsamten Wachstum des ungeborenen Kindes. Durch mangelnde Versorgung mit Sauerstoff kann das Kind starke Schäden oder sogar den Tod erleiden. Deshalb muss bei einer schweren Unterversorgung die Geburt früher als geplant eingeleitet werden. Wenn das Kind noch nicht geburtsreif ist, wird versucht das Heranreifen der Lunge durch bestimmte Medikamente zu beschleunigen.

Wie kann man vorbeugen?

Besteht ein erhöhtes Risiko durch Bluthochdruckerkrankungen oder Diabetes mellitus, können intensivere Untersuchungen in kurzen Abständen dabei helfen, eine mögliche Einschränkung der Plazentafunktion frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln. Das Rauchen während der Schwangerschaft sollte selbstverständlich auch deshalb vermieden werden, um die Wahrscheinlichkeit eines Plazentaversagens zu verringern.

Myome und Uterus myomatosus

Myome und Uterus myomatosus

Das Wachstum eines Myoms kann durch das Hormon Östrogen begünstigt werden

Das Wachstum eines Myoms in der Gebärmutter kann durch das Hormon Östrogen begünstigt werden

Myome sind langsam wachsende, gutartige Tumoren der Gebärmutter und zählen zu den häufigsten Tumoren der geschlechtsreifen Frau. Etwa jede vierte Frau über 30 Jahre ist betroffen. Am häufigsten werden Myome zwischen dem 35. und 54. Lebensjahr festgestellt.

 

 

 

Anatomie der Gebärmutter

Die Gebärmutter ist ein birnenförmiges Organ im kleinen Becken. Es wird in Gebärmutterkörper und -hals unterteilt. Die Wand der Gebärmutter besteht aus drei Schichten. Das außen liegende Bauchfell bedeckt die dicke Muskelschicht der Gebärmutter. Zur Gebärmutterhöhle hin ist die Muskelschicht von Gebärmutterschleimhaut überzogen. Myome entwickeln sich aus den Muskelzellen der Gebärmutter. Ihre Größe reicht von unter einem Millimeter bis weit über 15 Zentimeter. Nur sehr selten treten sie einzeln auf. Meist liegen mehrere Myome vor, die schließlich auch zu einer Größenzunahme der Gebärmutter führen können. Eine aufgrund von Myomen vergrößerte Gebärmutter bezeichnet man als Uterus myomatosus.

Die meisten Myome betreffen den Gebärmutterkörper. Sie können sich in ihrem Wachstum auf die Muskelschicht der Gebärmutter beschränken oder aber in Richtung der Bauch- oder Gebärmutterhöhle wachsen. Östrogene fördern das Wachstum von Myomen.

Ursachen von Myomen

Die Ursachen für das Auftreten von Myomen sind bisher unklar. Folgende Risikofaktoren scheinen aber bedeutend zu sein:

  • Vererbung
    Myome treten familiär gehäuft auf.
  • Ethnische Herkunft
    Afroamerikanische Frauen in den USA sind im Vergleich zu Frauen, die nicht afroamerikanischer Herkunft sind, drei bis neun Mal häufiger von Myomen betroffen. Zudem wachsen die Myome bei diesen Frauen aggressiver.
  • Östrogene
    Myome wachsen unter dem Einfluss von Östrogenen. Da Östrogene hauptsächlich von den Eierstöcken gebildet werden, ist das Wachstum der Myome von der Funktion der Eierstöcke abhängig. Dies erklärt, warum Myome im Kindesalter nicht vorkommen, während der Geschlechtsreife wachsen und sich am Ende der Wechseljahre wieder zurückbilden können. Auch zu Beginn einer Schwangerschaft können Myome durch das vermehrt vorliegende Östrogen verstärkt wachsen.

Symptome von Myomen

Myome verursachen in bis zu 50 Prozent der Fälle keine Beschwerden, sodass sie häufig zufällig entdeckt werden. Beschwerden sind hauptsächlich vom Sitz und der Größe der Myome abhängig.

In erster Linie kommt es zu einer veränderten Periode. Die betroffenen Frauen bemerken eine besonders starke und lange Periode oder Zwischenblutungen. Da mit dem Blut auch gleichzeitig Eisen verloren geht, kann sich mit der Zeit eine Blutarmut entwickeln. Von einer Blutarmut spricht man, wenn die Hämoglobinkonzentration (roter Blutfarbstoff) im Blut abfällt. Die betroffenen Frauen sind sehr blass und fühlen sich müde und schwach.

Myome können heftige Unterbauchschmerzen verursachen, die häufig gemeinsam mit der Periode (sekundäre Dysmenorrhö) auftreten. Zudem können Myome der Grund für eine Unfruchtbarkeit der Frau sein, da sie die Einnistung der befruchteten Eizelle erschweren oder auch Früh- und Fehlgeburten verursachen können.

Große Myome können letztlich auch Nachbarorgane wie den Darm, die Blase, die Harnleiter oder aber Gefäße verdrängen beziehungsweise abdrücken. Die Frauen leiden an Verstopfung, häufigem Harndrang, häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen, Rückenschmerzen oder einem gestörten Blutabfluss aus den Beinen. Die Myome können so groß werden, dass sogar der Bauchumfang zunehmen kann.

Diagnose von Myomen

Erste Hinweise auf Myome gewinnt der Arzt aus der ausführlichen Befragung der betroffenen Frau zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Bei der sich anschließenden gynäkologischen Untersuchung können die Myome ab einer gewissen Größe als harte Knoten im Bereich der Gebärmutter ertastet werden. Die Gebärmutter selbst ist meist vergrößert.

Es folgt die so genannte Vaginalsonographie, eine Ultraschalluntersuchung der weiblichen Geschlechtsorgane durch die Scheide. Der Frauenarzt kann dabei neben den Geschlechtsorganen auch Myome bildlich darstellen und eine Aussage über ihren Sitz und die Größe machen. Gibt die betroffene Frau Blutungsstörungen an, macht sich der Frauenarzt zusätzlich ein Bild von der Gebärmutterschleimhaut. Hinter Blutungsstörungen können sich auch Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut verbergen, wie beispielsweise Polypen (kleine Schleimhautwucherungen) oder Gebärmutterkrebs. Aus diesem Grund können auch eine Gebärmutterspiegelung und eine Ausschabung der Gebärmutter nötig sein.

Ist ein Myom in den Bauchraum gewachsen, kann es durch einen Ultraschall über die Bauchdecke nachgewiesen werden. Dabei kann der Arzt auch die Nachbarorgane, wie beispielsweise die Nieren, überprüfen. Weitergehende Untersuchungen wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Beckens sind meist nicht nötig.

Die Untersuchung des Bluts auf einen Eisenmangel und eine mögliche Blutarmut ergänzt die Diagnose von Myomen.

Myome lassen sich heutzutage normalerweise sehr gut nachweisen. Lässt sich ein Myom jedoch nicht sicher von einem bösartigen Tumor an benachbarten Organen unterscheiden, kann zusätzlich eine Bauchspiegelung notwendig werden.

Therapie von Myomen: Hormontherapie und Operation

Eine Behandlung der Myome ist nur notwendig, wenn Beschwerden vorhanden sind. Bei Beschwerden stehen verschiedene medikamentöse und operative Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Die Art der Therapie ist vor allem vom Alter, der Schwere der Beschwerden und einem möglicherweise bestehenden Kinderwunsch abhängig.

Hormontherapie

Die Hormontherapien setzen alle am hormonabhängigen Wachstum der Myome an. Die wichtigsten sind GnRH-Analoga, Gestagene und Gestagen-Östrogen-Kombinationen. Durch die meisten Hormontherapien verkleinern sich sowohl die Myome als auch die Gebärmutter. Gestagene bilden dabei eine Ausnahme: Sie können nur verstärkte Blutungen mildern, nicht aber die Myome verkleinern.

Eine alleinige Hormontherapie ist sinnvoll, wenn nur geringe Beschwerden wie eine leicht verstärkte Regelblutung bestehen. Die alleinige Hormontherapie wird außerdem erwogen, wenn die betroffenen Frauen kurz vor der Postmenopause stehen. Die Postmenopause ist der letzte Abschnitt der Wechseljahre. Am Ende der Wechseljahre stellen die Eierstöcke die Östrogenbildung komplett ein. Da die Myome östrogenabhängig wachsen, bilden sie sich in dieser Phase häufig automatisch zurück. Die Hormontherapie hilft somit, die Zeit bis zum natürlichen Stillstand der Eierstöcke zu überbrücken. Die Beschwerden lassen nach und den Frauen bleibt eine Operation erspart. Kann eine Operation nicht umgangen werden, ist eine hormonelle Vorbehandlung empfehlenswert. Sie erleichtert die Operation und verringert Operationsrisiken.

Die sehr wirkungsvolle Therapie mit GnRH-Analoga stellt keine Dauerlösung dar, da sie mit der Zeit zu schweren Nebenwirkungen führen kann. Neben der Osteoporose ist besonders der Anstieg der Blutfette gefürchtet, da er spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen kann. Beendet der Arzt die Hormontherapie, wachsen die Myome innerhalb weniger Monate wieder zu ihrer ursprünglichen Größe heran.

Operation

Der Chirurg kann die Myome entfernen, indem er sie aus dem umliegenden Gewebe herausschält (Myomenukleation). Da die Gebärmutter erhalten bleibt, wird dieser Eingriff von Frauen mit noch bestehendem Kinderwunsch bevorzugt. Der Nachteil ist, dass die Myome in bis zu 15 Prozent der Fälle erneut wachsen.

Eine andere Möglichkeit ist die Entfernung der gesamten Gebärmutter. Dies kann insbesondere bei Vorliegen vieler Myome und abgeschlossener Familienplanung sinnvoll sein. Die Entfernung der Gebärmutter ist unter allen Therapiemöglichkeiten die einzige, mit der Myome dauerhaft geheilt werden können.

Abhängig von der Größe, Anzahl und dem Sitz der Myome können beide Eingriffe über eine Bauchspiegelung, einen Bauchschnitt oder durch die Scheide erfolgen.

Eine Alternative zur Operation stellt die so genannte Myomembolisation dar. Es handelt sich um einen sehr schonenden Eingriff, da unter örtlicher Betäubung nur ein kleiner Hautschnitt in der Leiste notwendig ist. Mit einem Katheter sucht der Arzt die beiden Gefäße, die die Gebärmutter versorgen, auf und verstopft (embolisiert) sie mit kleinsten Kunststoffteilchen. In den folgenden Wochen verkleinern sich sowohl die Myome als auch die Gebärmutter. Die Beschwerden lassen nach. Für schwangere Frauen oder Frauen mit Kinderwunsch ist die Methode nicht geeignet, da das Risiko für Fehlgeburten und Geburtskomplikationen zu steigen scheint.

Neue Therapieansätze

In jüngerer Zeit kombiniert man gebündelte Ultraschallwellen mit einer Magnetresonanztomographie. Gebündelte Ultraschallwellen können in einem eng umgrenzten Bereich Wärme erzeugen und Tumoren zerstören. Sowohl die Temperaturänderungen als auch das Myom können mithilfe des MRT sichtbar gemacht werden. Dies ermöglicht eine gezielte Zerstörung des Myoms, ohne das gesunde Nachbargewebe zu schädigen. Das Verfahren ist äußerst schonend und sehr viel versprechend. Da es aber sehr aufwendig ist, bleibt abzuwarten, ob es sich als zukünftige Therapieoption durchsetzen kann.

Verlauf einer Myomerkrankung

Myome entstehen und wachsen während der Geschlechtsreife. Mit den Wechseljahren bilden sich die Myome meist automatisch zurück, da die Eierstöcke ihre Östrogenproduktion beenden.

Myome treten häufig als runde Tumoren auf. In einigen Fällen kann sich aber auch ein so genannter Stiel entwickeln, der das Myom über eine längere Distanz mit der ursprünglichen Muskelschicht der Gebärmutter verbindet. In dem Stiel verlaufen Blutgefäße, die das Myom versorgen. Kommt es zu einer Drehung des Stiels, werden die versorgenden Gefäße abgedrückt. Es entsteht ein Notfall, der ein schnelles, operatives Eingreifen erfordert.

In unter einem Prozent der Fälle kann ein Myom entarten (Leiomyosarkom). Regelmäßige Kontrollen sind daher auch bei fehlenden Beschwerden empfehlenswert.

Migräne in der Schwangerschaft

Migräne in der Schwangerschaft

Migräne ist nicht nur in der Schwangerschaft schwierig zu behandeln Migräne ist nicht nur in der Schwangerschaft schwierig zu behandeln

Migräne gehört zu den häufigsten Formen der Kopfschmerzen. Sie tritt anfallsartig auf und ihre Ursachen können sehr unterschiedlich sein. In der Schwangerschaft bessern sich Migräneattacken bei etwa 70 bis 80 Prozent der Frauen oder sie bleiben sogar ganz aus. Dieser Effekt zeigt sich besonders in den letzten zwei Schwangerschaftsdritteln. Nach der Geburt des Kinds treten die Attacken oft erneut auf. Häufig verschwinden sie dann auch bei nachfolgenden Schwangerschaften nicht mehr.

Besonderheiten in der Schwangerschaft

Migräne ist nicht nur in der Schwangerschaft schwierig zu behandeln, dann aber besonders: Denn in dieser Zeit muss eine mögliche Gefährdung des Fötus bei der Medikation berücksichtigt werden.

 

 

Wie kann Migräne in der Schwangerschaft behandelt werden?

Bei akuten Migräneattacken sollten sich Schwangere in ein abgedunkeltes Zimmer zurückziehen, schlafen oder Kompressen zur Kühlung auf die schmerzende Stelle auflegen. Im Einzelfall helfen sanfte Massagen von Gesicht und Kopfhaut. Auch Akupunktur, Entspannungsübungen oder Lymphdrainagen sind zur Behandlung der Migräne geeignet.

Medikamente sollten bei der Migräne-Behandlung schwangerer Frauen möglichst nicht zum Einsatz kommen. Das gilt besonders für das erste Schwangerschaftsdrittel, weil die Entwicklung des Ungeborenen in dieser Zeit generell leicht gestört werden kann. Ab dem vierten Schwangerschaftsmonat (zweites Drittel) kann bei akuten Schmerzattacken Paracetamol gegen die Beschwerden helfen. Im zweiten Drittel ist auch die Einnahme von Acetylsalicylsäure erlaubt. Im letzten Drittel sollten Schwangere allerdings auf Medikamente mit Acetylsalicylsäure verzichten, da der Wirkstoff eine blutverdünnende Wirkung hat und die normale Entwicklung des kindlichen Herzens stören kann. Generell gilt: Wenn Medikamente während der Schwangerschaft eingenommen werden, sollte dies unbedingt nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt geschehen.

Vorbeugen mit Entspannungsübungen

Um Migräneattacken während der Schwangerschaft vorzubeugen ist es – wie sonst auch – ratsam, die individuellen Auslöser wie bestimmte Lebensmittel zu meiden. Daneben ist in vielen Fällen gezieltes Entspannungstraining, beispielsweise die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder autogenes Training, gut zur Vorbeugung geeignet. Gerade wenn eine Schwangerschaft geplant wird, sollte zuvor eine Entspannungstechnik erlernt werden, damit der Migräne möglichst ohne Einsatz von Medikamenten vorgebeugt werden kann. Bei schweren Fällen können Schwangere versuchen, mit Magnesium ihren Zustand zu verbessern.

Hyperemesis gravidarum (schlimme Übelkeit)

Hyperemesis gravidarum (übermäßiges Schwangerschaftserbrechen)

 Bei Mehrlingsschwangerschaften kommt es durch die hohe hCG-Konzentration häufiger zu Hyperemesis gravidarum Bei Mehrlingsschwangerschaften kommt es durch die hohe hCG-Konzentration häufiger zu Hyperemesis gravidarum

Von einer Hyperemesis gravidarum (übermäßiges Schwangerschaftserbrechen) spricht man, wenn sich Frauen während der Schwangerschaft anhaltend mehr als fünf Mal pro Tag übergeben müssen und mehr als fünf Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Weltweit sind etwa 0,5 bis zwei Prozent der schwangeren Frauen betroffen, wobei lebensbedrohliche Formen nur noch sehr selten vorkommen.

Zwei Schweregrade der Hyperemesis gravidarum

Man kann die Hyperemesis gravidarum in zwei Schweregrade einteilen: Grad 1 zeichnet sich durch Übelkeit, Erbrechen und Krankheitsgefühl aus, Grad 2 durch einen zusätzlich gestörten Stoffwechsel, Wasser- und Mineralhaushalt.

Von einer Hyperemesis gravidarum wird die so genannte Emesis gravidarum unterschieden. Sie tritt gerade in den ersten zwölf bis 16 Schwangerschaftswochen sehr häufig auf und geht ebenfalls mit Übelkeit und Erbrechen einher. Die Beschwerden sind allerdings milder ausgeprägt und die betroffenen Frauen fühlen sich häufig besser, nachdem sie sich übergeben haben. Stoffwechselstörungen treten dabei nicht auf. Meist verschwindet diese Form der Schwangerschaftsübelkeit innerhalb der ersten 20 Schwangerschaftswochen von selbst.

Ursachen der Hyperemesis gravidarum

Bisher sind die Ursachen der Hyperemesis gravidarum nicht genau bekannt. Folgende Risikofaktoren scheinen sie aber zu begünstigen:

  • Übergewicht (Adipositas)
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Erkrankungen der äußeren Fruchthülle (so genannte Trophoblastenerkrankungen)
  • Hyperemesis gravidarum in der Vorgeschichte
  • Erstgebärende
  • Allergien in der Vorgeschichte
  • Überfunktion der Schilddrüse oder Nebenschilddrüse, Fettstoffwechselstörungen, Leberfunktionsstörungen
  • Magersucht (Anorexia nervosa) oder Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) in der Vorgeschichte
  • Migrationshintergrund

Während einer Schwangerschaft bildet der Körper das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Chorion-Gonadotropin). Dieses Hormon scheint in höheren Konzentrationen Übelkeit und Erbrechen zu fördern. Da Mehrlingsschwangerschaften und Trophoblastenerkrankungen mit besonders hohen hCG-Spiegeln einhergehen, kommt es in beiden Fällen vermutlich auch häufiger zu einer Hyperemesis gravidarum.

Eine Verbindung zwischen einer bakteriellen Magenschleimhautentzündung und einer Hyperemesis gravidarum wird ebenfalls für möglich gehalten.

Auch Stress und Anspannung scheinen das übermäßige Schwangerschaftserbrechen zu fördern.

Symptome der Hyperemesis gravidarum

Schwangere mit einer Hyperemesis gravidarum fühlen sich meist sehr krank. Sie klagen über Übelkeit und müssen sich über den Tag und die Nacht verteilt mehr als fünf Mal übergeben. Der damit einhergehende Verlust an Nährstoffen, Elektrolyten und vor allem Flüssigkeit kann von den Frauen nicht mehr ausgeglichen werden. Sie verlieren deutlich an Gewicht und trocknen aus (Exsikkose). Letzteres kann sich durch permanenten Durst, trockene Haut und Schleimhäute, niedrigen Blutdruck oder eine sinkende Harnmenge bemerkbar machen. In fortgeschrittenen Fällen können auch Fieber und Benommenheit auftreten. Als Hinweis auf eine gestörte Leberfunktion können sich Augen und Haut gelb verfärben (Ikterus).

Diagnose der Hyperemesis gravidarum

Erste Hinweise auf eine Hyperemesis gravidarum erhält der Arzt aus der ausführlichen Befragung der Frau zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Es folgt die körperliche Untersuchung, bei der insbesondere auf Zeichen der Austrocknung, wie eine trockene Zunge, stehende Hautfalten oder einen niedrigen Blutdruck mit hohem Puls geachtet wird. Zudem wird das Gewicht der betroffenen Frau bestimmt.

Der Ultraschall kann zudem Hinweise auf eine Trophoblastenerkrankung, die als Risikofaktor für die Hyperemesis gravidarum gilt, liefern.

Inwieweit der Wasser- und Mineralhaushalt sowie der Stoffwechsel, wie beispielsweise der Fettstoffwechsel, gestört sind, kann mit einer Untersuchung des Harns und des Bluts herausgefunden werden. Der Harn wird auf seine Menge, sein Gewicht und bestimmte Inhaltsstoffe wie Elektrolyte und Azeton geprüft. Azeton ist eine Säure. Sie kommt sowohl im Harn als auch im Blut vor, wenn der Körper einem längerem Hungerzustand ausgesetzt war. Im Blut werden neben Azeton unter anderem die Konzentrationen des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), der Elektrolyte, des Blutzuckers (Glukose) sowie Leber- und Schilddrüsenwerte bestimmt.

Bei sehr hartnäckigem Erbrechen sollten schließlich auch andere mögliche Ursachen, wie beispielsweise eine Magenschleimhautentzündung, eine Entzündung der Leber (Hepatitis) oder der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), ausgeschlossen werden.

Therapie einer Hyperemesis gravidarum

Die Therapie einer Hyperemesis gravidarum kann ambulant erfolgen oder aber eine Aufnahme ins Krankenhaus erforderlich machen. Da die Ursachen einer Hyperemesis gravidarum bisher ungeklärt sind, konzentriert sich die Therapie in den meisten Fällen darauf, die Stoffwechselsituation zu verbessern und Beschwerden zu lindern.

Ambulante Therapie

Zunächst wird die Ernährung auf eine kohlenhydratreiche, fettarme Kost umgestellt, die auf mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt wird. Das Frühstück (Tee, Toast oder Zwieback) sollte die Schwangere im Bett vor dem Aufstehen zu sich nehmen. Markante Gerüche wie beispielsweise Fleischgeruch sollten umgangen werden, da diese häufig Übelkeit und Erbrechen auslösen können. Zwischen den Mahlzeiten sollte versucht werden, Flüssigkeit zuzuführen. Zudem werden so genannte Antiemetika eingesetzt. Es handelt sich dabei um Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen mildern können.

Stationäre Therapie

Bei fortgeschrittener Hyperemesis gravidarum wird die Schwangere stationär aufgenommen. Zu Beginn wird die eigene Nahrungsaufnahme komplett eingestellt. Stattdessen erhält die betroffene Frau ausreichend Flüssigkeit, Mineralstoffe und alle notwendigen Nährstoffe wie Kohlenhydrate und Aminosäuren als Infusion über die Venen. Zusätzlich werden Vitamine und Medikamente wie Antiemetika bei Bedarf verabreicht. Sobald sich die Frau nicht mehr oder nur noch wenige Male am Tag übergeben muss, kann sie langsam wieder anfangen, Nahrung zu sich zu nehmen. Häufig bessern sich auch die Beschwerden, sobald die Frau aus ihrem gewohnten Umfeld raus ist. Dies spricht für eine psychologische Komponente.

Während des gesamten Krankenhausaufenthalts sollte die betroffene Frau psychologisch unterstützt werden.

Verlauf einer Hyperemesis gravidarum

Schwere Verläufe einer Hyperemesis gravidarum mit lebensbedrohlichen Zuständen treten heute nur noch sehr selten auf. Da das schwere Schwangerschaftserbrechen über einen längeren Zeitraum auftreten und zudem sehr zehrend und belastend für die betroffenen Frauen sein kann, können sich im Verlauf Depressionen entwickeln. Suizidgedanken und auch der Wunsch nach einem Schwangerschaftsabbruch können entstehen. Die zusätzliche psychologische Betreuung ist daher sehr wichtig.

Bei länger anhaltendem Schwangerschaftserbrechen kann auch ein Vitamin-B-Mangel entstehen, der zu Kribbelmissempfindungen an den Gliedmaßen bis hin zu Bewusstseinsstörungen führen kann. Äußerst selten kann das andauernde Erbrechen auch zu Verletzungen der Lunge oder der Speiseröhre führen. Die veränderten Konzentrationen der Elektrolyte insbesondere des Kaliums können zudem Herzrhythmusstörungen begünstigen.

Durch die fehlenden Nährstoffe kann es nicht nur bei der Frau zu Mangelerscheinungen kommen. Auch das Ungeborene kann unterversorgt sein und in seinem Wachstum gebremst werden.

Kann man einer Hyperemesis gravidarum vorbeugen?

Einer Hyperemesis gravidarum kann bisher nicht vorgebeugt werden.